Endlich mal ein Bescheid, den man nicht einstecken muss, sondern austeilen darf. Eine eigene öffentliche EMO, gegen alle Arten von Gewalt insbesondere in den Medien, ist ein guter Beitrag zur Demokratie.

Der Rahmen der satirischen EMO (siehe auch EMO-Handbuch: "Kapitel 7. Wem schicke ich einen Gewaltsteuerbescheid?") wird überschritten, wenn es um Taten wie rechts- und linksextreme Kriminalität, Mord oder Folter geht. Dafür ist die Strafjustiz zuständig. Aber zur Vermeidung von "Gewohnheitsrechten" der Gewalt in einer Gesellschaft können EMOs vielfältig beitragen. Eine satirisch zupackende EMO gegen zu lasche Gesetze, gegen zu nachsichtige Strafjustiz, ist sinnvoll.

Jeder ist gefordert. Keineswegs nur Privatpersonen und Firmen, sondern auch Behörden, Vereine, Bürgerinitiativen können ihre Sachkenntnis für die aktive Freude an der Demokratie nutzen.

Zwar wird das Finanzamt wohl noch nicht so bald auf amtlichem Papier eine EMO zur Erhebung der Gewaltsteuer schicken, aber der engagierte Finanzbeamte darf es abends von zu Hause aus auf privatem Briefpapier durchaus. Wenn er dem Humor seines Chefs nicht traut, macht er es anonym.

Zur Begründung könnte er ein "Schlechtachten" als Anhang zur EMO beifügen, siehe EMO-Handbuch Seite 34 - 37. Dort heißt es unter anderem:

... Hiermit wird vorgeschlagen, eine Gewaltsteuer zu erheben: Immer wenn im Fernsehen, in Kinofilmen, Computerspielen usw. eine Person (sei es ein Gesetzeshüter oder ein Krimineller) eine Waffe (Pistole, Messer in gewalttätiger Absicht, mechanische oder chemische Keule usw.) gebraucht oder damit droht, so ist pro Darstellung (jede angefangene Minute) und Zuschauer eine Steuer von einem Cent zu erheben.
Die gleiche Steuerpflicht gilt für jede Szene "bloß" psychischer oder rein körperlicher, d. h. unbewaffneter Gewaltandrohung oder Gewaltausübung.
Für jeden Film, jedes Theaterstück, jede Fernsehsendung usw. lässt sich der Betrag pro Aufführung und Zuschauer angeben. Ein "künstlerischer Wert" bleibt dabei in bewährter steuerlicher Exaktheit ebenso belanglos, wie eine "gesellschaftskritische Absicht". Echte Werte und Absichten hinterlassen in aller Regel kein "teures" Schlachtfeld!

Die EMO ist jeweils auf einen Einzelfall bezogen, ihr kann ein allgemeines Schlechtachten als Anhang beigefügt werden. Beispiel einer EMO:

--------------------------------------------Anfang der EMO--------------------------------------------

Viehnanzamt Berlin Ystr.1 12345 Berlin

An das Filmstudio Xx Yystr. 5 12166 Berlin Betreff: Bescheid wegen: "Viehische Massaker"

Eine satirische EMO zu Ihrer Information

Gesellschaftlicher Steuerungsbescheid

Zu sehr geehrte Damen und Herren,

Sie zeigen den Gruselfilm "Battle Royal" von Kinji Fukasaku, in dem auf viehische Weise in hundert Minuten über 40 Schüler massakriert werden, mit platzenden Körpern, sprudelndem Blut, und zwar nach allen Regeln der Waffenkunst mit Kleinkalibergewehren, Pistolen, Pumpguns, Armbrusten, Handgranaten, Klappmessern und Äxten.

So etwas wird von einem dafür besonders empfänglichen, somit gefährdeten Teil der Jugend verinnerlicht und provokativ bis lebensgefährlich umgesetzt. Wir beziffern den gesellschaftlichen Schaden in unserem Ortsteil bescheiden auf 100.- € pro Aufführung und erwarten Ihre Überweisungen auf unser Konto 123 Bank A BLZ 10010099.

Und schämen Sie sich was!

Berlin den 8.8.2008 Inspektor X
Anhang: Schlechtachten (Kopie aus dem EMO-Handbuch)

---------------------------------------------Ende der EMO---------------------------------------------

In dieser oder anonymisierter Form eignen sich gesellschaftskritische Themen gut für öffentlich gemachte EMOs. Sie lassen sich in vielfältiger Weise verbinden mit öffentlichen Protesten, Demos, Darbietungen von Kunstwerken etc., mit viel kreativer Freiheit und thematischer Breite.

Es gibt zwar Verrückte, welche Horrorfilme "mögen", aber der Normalo (der geistig einigermaßen gesunde Mensch) leidet schon darunter, wenn er beim Zappen im Fernsehen eine Sekunde bis zum Weg-Zappen diesen Mist anschauen muss. Er empfindet es als krasse Umweltverschmutzung.

Normalos können sich nur zu gut ausmalen, was die "genüssliche" Gewalt der Horrorfilme bei Jugendlichen, und im Grunde auch bei Horror-Fans anrichten wird. Sie können eine EMO mit Hinweis auf den gesellschaftlichen Schaden schreiben. Die Dosis macht das Gift, sagte Paracelsus. Ein klein wenig von den leichteren Giften ist anregend, natürlich, macht Spaß. Perversion ist gesellschaftliches Gift. Eine feine Prise, etwa zärtliche Liebesbisse beim leidenschaftlichen Sex, das ist eine natürliche Dosis "Gewalt". Für alles andere zahlen wir gesellschaftlich einen zu hohen Preis. Die künstlerische Organisation von Edelterrorismus ist eine demokratisch behutsame Dosis einer krassen Form von Gewalt, und der Bekämpfung krasser Formen angemessen. Die EMO ist eine breit verwendbare, jederzeit improvisierbare Form der Abwehr von Unterdrückung.


Zu Form und Praxis der EMO siehe: Philipp Sonntag: EMO-Handbuch - So schreibe ich eine "Emotionale Rechnung"; Thurneysser Verlag, PF 35 05 32 in 10214 Berlin, März 2007, 135 Seiten, 11,80 €. zum Bestellformular

Fehlt nur noch Eines, was macht einer bloß, der sich nun so überhaupt gaaaar nicht aufraffen mag, der passiv bleiben will und auch darüber nicht nachdenken möchte, der aber dennoch genüsslich am Leben teilhaben will? Er liest und genießt das Gedicht „Bundesverfassungslos“, aus dem Buch:

Philipp Sonntag: Ungereimtes und Gereimtes - mit malerischen Interpretationen von Sabine Kaemmel.
Projekte Verlag Cornelius, Halle/Saale, ein Kunst(volles)buch 19,90 €, 147 Seiten, ISBN 978-3-86634-690-1, 2009.