Was toleriert eine gesunde Demokratie? Eine Menge! Aber besser nichts bei eindeutigen Verletzungen der Grundrechte. Und doch werden in den politischen und juristischen Entscheidungen von den folgenden vier krassen Beispielen zwei bei weitem zu milde behandelt:

          1. ein Trainer ist offen für Doping und macht Werbung, dass Sportler bei ihm eine breite Palette verbotener Mittel kaufen können
          2. ein sadistischer Kinderschänder bekennt sich zum sexuellen Missbrauch Minderjähriger und kündigt an, dass er nur auf die nächste
              Gelegenheit wartet
          3. Faschisten stellen sich offen in die Tradition von Massenmördern aus der Nazizeit und sie üben schon mal öffentlich die Anwendung von
              Gewalt, etwa gegen Ausländer, wahlweise gegen die Polizei oder in ihrem Schutz. Es gibt bereits jahrelang Verletzte und Todesopfer.
          4. Industrielle Massentierhaltung, welche als lebenslange Quälerei erkennbar ist.

Bei den Situationen, die Nr. 1 und 2 vergleichbar sind, werden Vorgehensweise, Motive und das Ausmaß des Leidens genau beachtet und bei krassen Fällen (wie genannt) wird strikt durchgegriffen. Die Fälle 3 und (noch) 4 werden systematisch ignoriert, obwohl man gerade sie, durchaus im Rahmen des juristischen Ermessensspielraumes, völlig ausmerzen könnte.


WiDuMi als basisdemokratisches Werkzeug



Was tun? Zusammen mit den Opfern gegen die Verursacher protestieren mit einem deutlichen: „Wie Du mir, so ich Dir!“ Ein WiDuMi ist dem Ernst einer blutrünstigen, krass gewalttätigen Situation nicht angemessen. Aber sonst ist es als Werkzeug zum Protest gegen viele Missstände von erbittert kritisch bis versöhnlich schmunzelnd (oder beides zugleich!) breit verwendbar. WiDuMi taugt auch, um gute Entwicklungen zu ermuntern, zu stützen.

In der Demokratie wäre gewaltsamer Terror gegen den säumigen Staat völlig unsinnig. Satire nach Art der Edelterroristen ist "eigentlich" makaber, aber als ein verzweifeltes Mittel plausibel, wenn "ernsthaft" nichts geschieht. Man tut dem säumigen Staat damit nicht unrecht, sondern man versucht ihn aufzurütteln. Eine ähnliche Haltung hatte der Komiker Chaplin, als er den "Führer" in einem Film imitierte, durchaus im Bewusstsein der Problematik von Satire gegen schwere Verbrechen. Wenn der Staat sich gegen krasse Missstände und Übergriffe nicht wehrt, dann kann der "Edelterrorist" demokratische Tugenden fordern. Das Ausmaß der staatlichen Absurdität kann manchmal durch eine makabere Herausforderung wie bei Kafka besser vor Augen geführt werden, als durch staatsmännisch-juristische Abhandlungen.

Abhilfe schaffen kann nur der Staat selbst.

Das griffige Werkzeug um dem Staat dafür ein Update zu verpassen ist ein WiDuMi aus dem Buch:

Philipp Sonntag: Ungereimtes und Gereimtes - mit malerischen Interpretationen von Sabine Kaemmel.
Projekte Verlag Cornelius, Halle/Saale, ein Kunst(volles)buch 19,90 €, 147 Seiten, ISBN 978-3-86634-690-1, 2009.